Ein Besuch in Karls Erlebnis-Dorf Elstal
© Inez Maus 2014–2026
In meinem Blogbeitrag vom September gab ich Tipps, wie ein Besuch in einem Erlebnis- oder Freizeitpark mit einem
autistischen Menschen gelingen kann. Tatsächlich führte das dazu, dass unter den Feedbacks zu diesem Artikel auch
Mitarbeitende einer Wohneinrichtung waren, die mir mitteilten: „Wir wussten gar nicht, dass ein Freizeitparkbesuch den
Bewohnenden gefallen könnte. Wir werden das mal auf unsere Liste setzen.“
In dem eben erwähnten Beitrag kündigte ich an, dass ich über meinen Besuch in Karls Erlebnis-Dorf Elstal bei Berlin
hinsichtlich der Eignung für autistische Menschen berichten werde. Hintergrund dieser Recherche war die Gründung der
Stiftung „KARLS für alle – Die Robert Dahl Stiftung für Inklusion“, die sich um Ziel gesetzt hat: „Die Karls Erlebnis-Dörfer
sollen zum integrativsten Freizeitpark-Angebot überhaupt werden!“ (https://karls.de/ueber-karls/robert-dahl-stiftung/,
28.08.2026) Ich besuchte das Karls Erlebnis-Dorf mit einer Freundin an einem heißen Tag mitten im August.
***
Nach dem Verlassen des Parkplatzes betritt man als Erstes eine große Halle. Da kein Eintritt erhoben wird, gibt es hier
keine Schlangenbildung. In der Halle vereinigen sich Fahrgeschäfte, Einkaufsmöglichkeiten und Aktivitäten wie das
Herstellen von Gummibärchen oder Bonbons zu einem bunten und lauten Durcheinander. Autistische Kinder sind davon
sicherlich sehr schnell überfordert.
Ein Plan vom Gelände soll uns helfen, den Tag zu gestalten. Der Geländeplan listet alles auf, was es zu erkunden gibt,
allerdings ist er dadurch sehr voll und unübersichtlich. Ein Plan, der das Gelände mit nach bestimmten Aspekten
getrennten Attraktionen in mehreren Varianten zeigt – beispielsweise Fahrgeschäfte, Möglichkeiten um Essen,
Mitmachaktionen –, wäre für autistische Menschen besser geeignet.
Der Weg zu den Toiletten in der großen Halle ist mit deutlich sichtbaren Fußspuren auf dem Boden markiert. Die kleinen,
von nicht-autistischen Kindern sicher als lustig empfundenen Umwege können autistische Kinder allerdings verwirren.
Neben Toiletten für beide Geschlechter und einem Wickelraum (für Kleinkinder, nicht für größere Kinder, Jugendliche
oder Erwachsene) gibt es eine Toilette mit der Aufschrift „Divers“. Eine reizreduzierte Toilette ohne Hintergrundmusik gibt
es nicht. Auch das Händewaschen nach dem Toilettengang wird für ein autistisches Kind zur Herausforderung, denn es
gibt keine separaten Waschbecken, bei denen man warten könnte, bis eines frei wird, sondern nur eine mittig im Raum
stehende Badewanne mit darüber befindlichen Wasserhähnen. An dieser Badewanne herrscht bereits am Vormittag ein
dichtes Gedränge.
Wir verlassen die Halle recht bald wieder, um vor der Mittagshitze das Außengelände in Augenschein zu nehmen. Im
Außenbereich verteilt sich die Besuchermenge recht schnell, sodass es nur an wenigen Stellen zu ungewollten
Berührungen kommt. Es fällt schnell auf, dass es keinerlei Sitzmöglichkeiten gibt, die ohne den Kauf von etwas
Verzehrbarem genutzt werden können. An eigentlich allen Attraktionen, die auch für viele autistische Kinder interessant
sein dürften, bilden sich mehr oder weniger lange Schlangen.
In einem Gebäude mit Spielautomaten und Souvenirs frage ich die Angestellten, ob sie das Sunflower-Lanyard
(Sonnenblumen-Umhängeband) kennen. Einer der beiden Männer antwortet mir: „Mit Sonnenblumen haben wir das
gerade nicht da. Aber diese hier gibt es.“ Er zeigt dabei auf einen Korb voller Haarschmuck mit Erdbeermotiven. Ich kläre
ihn über das Sonnenblumen-Umhängeband auf und erfahre daraufhin, dass es für Familien mit einem Kind mit
Behinderung eine besondere Karte für schnelleren Zugang zu Fahrgeschäften gibt. Ich solle mich mal an der Information
erkundigen. Das verschiebe ich auf einen späteren Zeitpunkt, denn inzwischen sind wir hungrig.
Da die Mittagszeit noch nicht ganz herangerückt ist, sind die Schlangen an den Essenbuden noch moderat und freie
Sitzplätze lassen sich finden. Wenig später sieht das schon ganz anders aus. Da herrscht beispielsweise beim Erdbeer-
Döner dichtes Gedränge. Das Angebot an Fast Food ist reichlich, sodass sich für autistische Kinder auch Pommes pur
oder mit verschiedenen Fleischzugaben finden lassen. Da viele autistische Kinder gern Pommes essen und auch Eis
oder Kuchen nicht abgeneigt sind, sollte die Versorgung mit Essen kein Problem darstellen.
Mit beginnender Mittagshitze kehren wir in die wunderbar kühle Halle zurück. Gerade rechtzeitig komme ich bei der
Vorführung über das Herstellen von Gummibärchen an. Die beiden Gummibärchen-Hersteller sind engagiert und
erklären den Kindern witzig, aber auch interessant und lehrreich, was sie gerade tun. Autistische Kinder, die häufig
Gummibärchen lieben, fänden das sicherlich sehr interessant. Da hier aber ebenfalls ein dichtes Gedränge herrscht und
die Lautsprecher der Gummibärchen-Herstellung mit den anderen Durchsagen und der Hintergrundmusik konkurrieren,
können autistische Kinder nicht an dieser Aktivität teilnehmen.
An der Information erkundige ich mich nach dem bereits erwähnten Pass für Familien mit einem Kind mit Behinderung.
Ich erfahre Folgendes: Die Karls Zugangskarte – so wird dieser besondere Service genannt – können Familien gegen
Vorlage des Schwerbehindertenausweises einmal pro Tag erhalten. Damit dürfen dann das Kind sowie drei weitere
Personen eine bestimmte Anzahl an Fahrgeschäften ohne Wartezeit benutzen. Dazu müssen sie sich am Ausgang des
jeweiligen Fahrgeschäftes melden.
Beim Besuch eines Erlebnisparks wird häufig auch ein Souvenir gekauft. Bei Karls gibt es eine riesige Auswahl an
Dingen zum Essen oder Trinken, zum Anziehen, zum Spielen oder zum Spaß haben. Wenn diese Auswahl nicht
überfordert, finden auch autistische Kinder ein Andenken darunter. Diese Dinge sollten allerdings in einem der kleineren
Gebäude gekauft werden, denn in der großen Halle wird die endlos wirkende Kassenschlange in einem metallbezäunten
Schlängelweg gepresst. Dort gibt es kaum Abstand zu anderen Personen, Körperkontakt ist nahezu unausweichlich.
Kombiniert mit den vielfältigen und lauten Geräuschen ist eine Reizüberflutung hier nahezu vorprogrammiert.
Unter dem Eindruck der mit Reizen nicht geizenden Kassenschlange frage ich an der Information noch nach, ob es so
etwas wie Ruhebereiche oder einen Ruheraum beispielsweise für Familien mit einem autistischen Kind gibt. „Wir haben
ja nicht mal einen Stillraum“, erhalte ich als Antwort. Ich möchte des Weiteren in Erfahrung bringen, wann denn die beste
Zeit für einen Besuch mit einem reizempfindlichen Kind ist. Die Antwort kommt rasch: „Nicht im Sommer, da ist hier die
Hölle los.“ Das Personal empfiehlt mir einen Besuch außerhalb der Ferienzeit und nicht am Wochenende.
Mein Fazit: Karls Erlebnis-Dorf Elstal ist mit guter Vorbereitung und Planung außerhalb der Ferien und Wochenenden ein
lohnender Ausflug mit einem autistischen Kind, wenn sich dieses Kind für diesen Erlebnispark interessiert. Die Karls
Zugangskarte sollte auf jeden Fall genutzt werden. Es ist zu erwarten, dass sich mit Gründung der Robert Dahl Stiftung
für Inklusion in den kommenden Monaten und Jahren noch viel tun wird, um auch für autistische Menschen die Besuche
in Karls Erlebnis-Dörfern angenehmer zu gestalten.