Anguckallergie

Inez Maus
Blogbeitrag 9. Dezember 2018
Heiße Schokolade schlürfende Monsterlein Dieser Blogartikel enthält einen Veranstaltungshinweis in eigener Sache und Links zum Kooperationspartner.
© Inez Maus 2014–2020
nach oben nach oben
„Wenn sich der Herbst mit kargen Bäumen, mit langsam, aber stetig länger werdenden Nächten und mit einsetzendem Frost verabschiedet, kommt sein Bruder, der Winter, und bedeckt die weiten Felder und tiefen Wälder der Insel mit seiner weißen Pracht. […] Diese bezaubernde Jahreszeit hatte einen Höhepunkt: drei Tage, an denen eine besonders starke Form der friedlichen Magie wirkte. An diesen Tagen zeigten sich die ohnehin schon gutherzigen Bewohner der kleinen Insel so gastfreundlich gegenüber Fremden, dass sie sogar ein Monsterlein in die Stube hineingelassen hätten. Und das Monsterlein säße dann auch friedlich an ihrem Tisch und würde mit ihnen genüsslich eine heiße Schokolade schlürfen. Es waren Tage, an denen keine Sorge schwer auf dem Herzen liegen konnte.“ Diese Zeilen entstammen einer Weihnachtsgeschichte, die mein autistischer Sohn vor einigen Jahren verfasst hatte. Passen Monster und Weihnachten überhaupt zusammen? Laut duden.de ist ein Monster ein „furchterregendes, hässliches Fabelwesen, Ungeheuer von fantastischer, meist riesenhafter Gestalt“. Mit entsprechenden Adjektiven versehen wird das Wort auch im übertragenen Sinne für kleine Kinder oder Haustiere verwendet. Spätestens seit dem Erscheinen des Disney-Films „Die Monster AG“ der Pixar Animation Studios sind Monster auch liebenswerte Geschöpfe, die bedenkenlos in Kinderzimmer einziehen durften und immer noch dürfen ... … und damit auch friedlich am Tisch sitzend heiße Schokolade schlürfen können, wobei die Anwesenden sicherlich besinnliche und vielleicht auch liebevolle Gefühle verspüren. Gefühle können uns beschleichen, überkommen, aber auch verletzen. Wir können Gefühle wahrnehmen, ausdrücken, wecken, manipulieren, unterdrücken, verdrängen, erleben, kennen, vermitteln … und wir können uns über sie austauschen. Vielen autistischen Menschen fällt dies schwer, Missverständnisse sind deshalb oft vorprogrammiert und die Beschäftigung mit der eigenen Gefühlswelt oder der des Gegenübers kann zu Frustrationen führen. Kann – muss sie aber nicht. Geeignete Hilfsmittel erleichtern die Kommunikation über Gefühle und verhindern Fehldeutungen. Ich setze seit mehreren Jahren die Gefühlsmonster © -Karten der Gefühlsmonster GmbH ein. Wobei die Formulierung „ich setze sie ein“ nicht korrekt ist, denn ich habe das Material zwar für meinen autistischen Sohn Benjamin in die Familie eingebracht, aber die Monster auf den Karten wurden sofort von allen Kindern „adoptiert“. Meine Erfahrungen mit den Karten führten dazu, dass ich gemeinsam mit der Gefühlsmonster GmbH ein Konzept entwickelte, damit autistische Kinder leichter als mit Worten ihre Gefühle ausdrücken können. Die Gefühlsmonster GmbH erstellte dazu ein Paket Autismus, welches das Konzept zur Nutzung der Monsterkarten als Signale beinhaltet. Aufgrund von Rückmeldungen und Nachfragen zum Einsatz der Karten bei Autismus hat die Gefühlsmonster GmbH beschlossen, ihr Seminar-Angebot zu erweitern. Ich freue mich sehr, dass ich dieses von mir geleitete Seminar hier ankündigen kann: Das erste Seminar „Einsatz der Gefühlsmonster im Kontext von Autismus“ findet am 24. September 2019 in Berlin statt. Es richtet sich sowohl an Familienangehörige als auch an Fachleute, die mit autistischen Menschen arbeiten. Bevor es soweit ist, gibt es jedoch eine Menge anderer Dinge zu erledigen: „Doch auch wenn Weihnachten eine magische Zeit bescherte, so bereitete die Zeit davor nicht wenigen sowohl Stress als auch Kopfzerbrechen, schließlich musste das Fest wie jedes andere vorbereitet werden. Christbäume bedurften des Aufstellens, Weihnachtsschmuck sollte an diese gehangen werden und natürlich wollte jeder zum Fest köstliche Lebkuchen, Weihnachtsgebäck und Weihnachtsstollen zum Naschen haben.“ Ich wünsche allen Besuchern meines Blogs eine magische Weihnachtszeit. PS: Und wenn ein Monsterlein an die Scheibe klopft, dann lassen Sie es bitte herein und bieten ihm eine heiße Schokolade an.
Verwendung der Grafik mit freundlicher Genehmigung der Gefühlsmonster GmbH