Anguckallergie

Inez Maus
Blogbeitrag 7. Dezember 2019
„Das schon wieder heiße Schokolade schlürfende Monsterlein
© Inez Maus 2014–2020
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Dieser Blogartikel enthält einen Veranstaltungshinweis in eigener Sache und Links zum Kooperationspartner. Vor einem Jahr veröffentlichte ich zwei Ausschnitte aus einer Wintergeschichte meines autistischen Sohnes. Die große Resonanz auf diesen Blogartikel hat ihn dazu verführt, eine berührende Weihnachtsgeschichte über das Schokolade schlürfende Monsterlein zu schreiben. An diesem einen magischen Tag im Jahr, an dem man allen Streit zur Seite legte und stattdessen die schneebedeckten Ortschaften mit Christbäumen, Weihnachtskränzen und Leuchtketten schmückte, tapste ein einzelnes, kleines Monsterlein durch die bitterkalte Weiße des Winters. Fürchterlich zitterte es, wobei jedes Mal ein paar Schneeflocken von seinen Hörnchen herabrieselten. Ein kleines Dorf kam in Sicht und aus der nahen Ferne lockte der große Weihnachtsbaum auf dem Hauptplatz leuchtend winkend. An jedem anderen Tag würde das Monsterlein entweder einen Bogen um das Dorf herum machen oder sich überlegen, wie es etwas Unordnung unter den Menschen verbreiten könnte. Doch am Weihnachtsabend machte sich Ärger und Zorn rar, sodass das Monsterlein unbesorgt durch das Dorf ziehen konnte. Tatsächlich öffnete sich sogar eine der Türen und ein Großmütterlein lud es hinein. Und so saß es eine heiße Schokolade schlürfend in der guten Stube und wurde von dem Enkel der gastfreundlichen Seele mit großen Augen angesehen. Der kleine Junge musste seinen ganzen Mut aufbringen, um es zu fragen, ob auch Monsterlein Weihnachten feierten und ob der Weihnachtsmann auch ihnen Geschenke bringe. Das Monsterlein antwortete ihm grinsend, dass sie durchaus das Fest der Liebe feierten, doch anstatt des Weihnachtsmannes käme dessen Bruder, der andere Weihnachtsmann. Jener brächte den unartigen Monsterlein Geschenke, während er den artigen nur ein Stück Wolle gebe. Ob er also der böse Weihnachtsmann wäre, wollte der Junge wissen, worauf das Monsterlein seinerseits wissen wollte, ob es ihm ein Geheimnis anvertrauen soll. Verstohlen blickte der Junge zu der Tür zur Küche, in der sowohl die Großeltern als auch der Vater und die Mutter das weihnachtliche Familienessen vorbereiteten, bevor er sich zu dem Monsterlein heranlehnte. Jenes flüsterte ihm dann ins Ohr, das Unartigkeit nicht böse ist. Der, wer unartig ist, denkt einfach nur freier und rüttelt die Ordnung etwas auf, die an sich zwar gut ist, aber erdrückend sein kann, wenn sie zu sehr das Leben des Menschen bestimmt. Darum vollführen die Monsterlein auch ihre Streiche: Damit die Menschen sich der simplen schönen Dinge des Lebens entsinnen, wie zum Beispiel ein unbeschwertes Lachen. Deshalb regte das Monsterlein den Jungen an, auch einmal etwas die Grenzen auszutesten und ein Freigeist zu sein, solange er nicht übertrieb. Der Junge machte sich Sorgen, dass er dann keine Geschenke vom Weihnachtsmann bekommt, doch das Monster konnte ihm versichern, dass der andere Weihnachtsmann auch bei Menschenkindern vorschaut. Etwas später verabschiedete sich das Monsterlein. Die Familie hätte es noch gern etwas länger willkommen geheißen, doch es hatte noch viel in dieser Nacht zu tun. Und so feierte die Familie Weihnachten. Als sie dann zu später Nachtstunde schliefen, kehrte das Monsterlein unbemerkt ins Haus zurück. Es grüßte den herumschleichenden Elf mit der grünen Zipfelmütze, legte unter dem Weihnachtsbaum im Kaminzimmer Geschenke ab und hakte auf seiner Liste den Namen ab, bevor es wieder hinaus in die Weihnacht verschwand. Mit dem Schokolade schlürfenden Monsterlein meines Sohnes schaffte ich vor einem Jahr eine Überleitung zu den Gefühlsmonstern der Gefühlsmonster GmbH, die unseren Kühlschrank zieren und in unserem Alltag schon so manch erhellendes Erlebnis hervorbrachten. Eine mentale Verwandtschaft zwischen dem Schokolade schlürfenden Monsterlein meines Sohnes und den Gefühlsmonstern der Gefühlsmonster GmbH besteht nach wie vor nicht. Inzwischen ist mein Seminar „Einsatz der Gefühlsmonster im Kontext von Autismus“ bei der Gefühlsmonster GmbH gut angelaufen, sodass es im kommenden Jahr zwei Termine geben wird. Das Seminar richtet sich sowohl an Familienangehörige als auch an Fachleute, die mit autistischen Menschen arbeiten, und führt u. a. in die Handhabung des Paketes Autismus ein. Bevor es soweit ist, gibt es jedoch eine Menge anderer Dinge zu erledigen: „Doch auch wenn Weihnachten eine magische Zeit bescherte, so bereitete die Zeit davor nicht wenigen sowohl Stress als auch Kopfzerbrechen, schließlich musste das Fest wie jedes andere vorbereitet werden.“ Ich wünsche allen Besuchern meines Blogs eine magische Weihnachtszeit mit heißer Schokolade und anderen Leckereien. PS: Und wenn ein Monsterlein an die Scheibe klopft, dann lassen Sie es bitte auch in diesem Jahr herein, bieten ihm eine heiße Schokolade an und lachen über seine Streiche.