Anguckallergie

Inez Maus
Blogbeitrag 19. Dezember 2021
Freyas Gunst - Vierter Teil
© Inez Maus 2014–2022
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Dies ist ein Gastbeitrag meines Sohnes Benjamin. Nach dem Abschied begab sich Erik vom Garten aus sofort auf den Bergpfad. Seltsamerweise machte er sich keine Gedanken darüber, wie er zurückkommen sollte. Vermutlich überwog einfach die Freude, dass er tatsächlich Freyas Gunst gefunden hatte. Und dass er einer alten, einsamen Dame etwas Gesellschaft leisten konnte. Er fand an einer Felswand, die zuvor eindeutig massiv gewesen war, einen Eingang zu einem weiteren Eistunnel, was ihn jedoch nicht verwunderte. Diesmal schritt er sorglos und so schnell, wie es auf dem vereisten Boden ging, durch den Tunnel. Er wusste, dass es ungefährlich war, und seine einzige Sorge bestand darin, wohin der Tunnel ihn führen würde. Leider hatte er sich diese Frage nur im örtlichen und nicht im räumlichen Sinne gestellt, sonst hätte der freie Fall am Ende des Tunnels ihn vielleicht nicht überraschen können. Nicht sehr weit entfernt saß ein besorgter Vater im Wohnhaus seiner Farm. Der Vorsteher der Mine und einige Minenarbeiter leisteten ihm Gesellschaft, wobei man aber nicht von einer fröhlichen Runde sprechen konnte. Tatsächlich herrschte tiefste Betrübtheit. Angefangen hatte es damit, dass der Minenvorsteher am späten Nachmittag an der Tür geklopft und dann gefragt hatte, ob Erik zuhause wäre. Als der Vater dies verneinen musste, teilte ihm der Vorsteher mit: „Armin, es tut mir leid, doch Erik ist verschwunden. Er ist wie vom Erdboden verschluckt.“ Daraufhin erzählte der Vorsteher, wie er den Stollen, in dem Erik allein gearbeitet hatte, leer vorfand. Niemand hatte gesehen, wie der junge Mann die Mine verließ, dabei waren nicht wenige anwesend. Darum wurde eine Suche veranlasst, die zuerst die Mine umfasste, dann die nähere und anschließend die weitere Umgebung, doch Erik blieb verschwunden. Nirgendwo hatte irgendjemand ihn gesehen. Und nun verhinderte der Schneesturm weiteres Suchen. „Das ist nicht gut, überhaupt nicht gut“, beklagte Armin, als er einen Blick aus dem Fenster warf. „Wenn Erik da draußen ist, holt ihn der Tod.“ „Ich weiß ...“, gestand der Minenvorsteher. „Doch eine Suche macht keinen Sinn. Wir sehen kaum die Hand vor Augen in dieser stürmischen Dunkelheit.“ Zustimmendes Gemurmel ertönte von den anderen Minenarbeitern, wobei aber auch ein schlechtes Gewissen mitschwang. Armin antwortete nicht darauf, sondern starrte weiter nach draußen in das Schneegestöber. Da klopfte es an der Tür. Bevor die Minenarbeiter es überhaupt mitbekamen, befand sich Arnim bereits an der Tür und riss sie auf. Was für ein Anblick sich ihm bot! Da standen ein Mädchen in einem etwas abgenutzten Mantel, ein tropfenförmiges Ding und ein goldig glühendes Rentier vor seiner Tür. Und auf dem Rücken des Rentiers lag sein Sohn Erik. Das Mädchen öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch Armin kam ihm zuvor: „Später, später. Kommt erst einmal herein, ihr müsst ja halb erfroren sein.“ Armin machte Platz und ließ das Mädchen und das Ding herein. Dann zog er Erik sanft vom Rücken des Rentiers und trug ihn mit der Stützhilfe des dazugekommenen Minenvorstehers hinein. Nachdem Erik vor dem Kamin abgesetzt worden war, eilte Armin zurück zur Tür, um sich das seltsame Rentier genauer anzusehen, doch es war bereits von dannen gezogen. Am nächsten Morgen, am Weihnachtstag, weilte Erik wieder in den Reihen der Bewussten und hielt zitternd eine Tasse mit heißer Schokolade in seinen Händen, während er mit mehreren Stoffdecken dick eingepackt auf einem Stuhl nahe dem Kamin saß. Um ihn herum wanderten sein Vater, seine Retterin – das Mädchen, welches Katalina hieß – und Katalinas ständiger Begleiter – das mysteriöse tropfenförmige Wesen Hugo –, um die letzten Vorbereitungen für das gemeinsame Weihnachtsfest zu treffen, nachdem sie die Minenarbeiter am Morgen verabschiedet hatten. Der Vater hatte als Dank für die Rettung seines Sohnes Katalina und Hugo zum Weihnachtsfest eingeladen, was die beiden mit größter Freude angenommen hatten. Während der letzte Baumschmuck an den Weihnachtsbaum gehängt und die köstlichen Gerichte auf die Tische gestellt wurden, erzählten Erik und Katalina nacheinander, was sie erlebt hatten. „Das ist ja eine ganz wunderliche Geschichte, die euch da widerfahren ist“, kommentierte Armin. Erik stimmte ihm zu: „Ja, ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob ich vielleicht einiges nur geträumt habe. Schade ist es auf jeden Fall um Freyas Gunst. Du hättest sie sehen sollen, Vater. Eine der schönsten Blumen überhaupt. Hätte ich sie nur nicht verloren.“ „Es tut mir leid, Erik“, entschuldigte sich Katalina, während sie eine Christkugel an den Baum hing. „Hätte ich von ihr gewusst, ich hätte die Augen aufgehalten.“ Doch Erik schüttelte den Kopf: „Es ist nicht deine Schuld. Ich hatte einfach Pech, dass ich gestürzt bin. Vielleicht ist diese Rubinblume sowieso nur ein Traumgebilde meinerseits. Ich hoffe nur, Cassandra ist nicht zu sehr enttäuscht darüber, dass ich kein Geschenk für sie habe.“ „Ich denke, sie wird es verstehen“, meinte sein Vater. Er fuhr fort: „Und sie wird froh sein, dass dir nichts passiert ist. Das ist alles, was zählt.“ Bevor Erik darauf etwas erwidern konnte, klopfte es an der Tür. „Nanu, das ist aber etwas früh für unsere Besucher“, murmelte Armin und ging an die Tür. „Und, wer ist es!?“ rief Erik fragend. „Niemand!“, antwortete sein Vater. „Dafür musst du dir aber keine Sorgen mehr machen wegen des Geschenks für Cassandra“, fügte er hinzu, während er in das Zimmer zurückkehrte. Fragend hielt er seinem Sohn einen Blumentopf hin: „Das ist doch Freyas Gunst, oder?“ Tatsächlich! Es war die Blume mit der rubinroten Blüte in jenem Blumentopf, den die alte Dame Erik gegeben hatte. „Ja, das ist sie!“, rief Erik erstaunt und glücklich aus. „Doch wo kommt sie her?“, fügte er fragend hinzu. „Keine Ahnung“, gestand sein Vater. „Sie stand da einfach auf unserer Schwelle. Sie und dies hier ...“, erklärte er und hielt etwas Grünes hoch. Es sah aus wie eine Zipfelmütze, doch sie war so klein, dass sie nur den Kopf eines Winzlings wärmen konnte. „Anscheinend ist eure Geschichte nun noch um einen wunderlichen Aspekt reicher“, kommentierte Armin leicht schmunzelnd. Katalina hingegen konnte ihren Blick nicht von der rubinroten Blüte lösen. „Was für eine wunderschöne Pflanze. Ich beneide deine Freundin. Doch wie sieht sie mit geöffneter Blüte aus?“, wollte sie wissen. „Das weiß ich nicht“, gestand Erik. „Aber ich bin mir sicher, dass wir es zur Bescherung wissen werden.“
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